|
|
 |
 |
Mit Shakespeares Beistand ist mir eine übertragung seiner Sonette gelungen,
die einige Vorzüge gegenüber den bisherigen Nachdichtungen besitzt:
Bei einer wörtlichen Nähe, die Georges nicht nachstehen wollte, manchmal sogar
näher ist, habe ich männliche und weibliche Reime nur so verwandt, wie sie
Shakespeare gebraucht hat. Mit Ausnahme zweier Sonette, die durchweg weiblich
gereimt sind, hat Shakespeare sonst fast nur männliche Reime benutzt.
Hält man die Reime männlich, hebt sicht am Zeilenende der Ton, entsteht
ein Dur. Und man kann ohne rhythmischen Bruch in die nächste Zeile
weiterlesen.
Ist der Reim weiblich, entsteht, wenn man über die Zeile hinausliest,
eine zweifache Senkung, eine Verzögerung und dadurch eine Moll-Klang.
Welch ein Unterschied im Klanggebäude! Die ganze Stimmung des
Gedichts ist dann eine andere. Darum hat sich außer George, dem es
auch nicht immer gelang, keiner der mir bekannten Nachdichter
auch nur im mindesten gekümmert.
Wenn man die englischen Strophen laut liest, spürt man, wie sehr
bei Shakespeare die Sprache Musik ist, ein Klang gibt dem anderen
die Hand. So habe ich versucht, wie Shakespeare mit Assonanzen und
Alliterationen spielend, die deutsche Sprache zu Musik zu schmelzen,
so daß jedes Sonett ein in sich schwingendes Gebilde ist. Da ich
selbst seit einem Vierteljahrhundert als Dichter täglich mit Anklängen,
Reimen, Halbreimen, Stabreimen spiele und arbeite und auch schon viele
eigene Sonette geschrieben habe, fiel mir dies meistens leicht, und
ich war froh bei der Arbeit. Hilfreich war auch, daß ich,
durch einige Jahre im Ausland, Englisch wie eine zweite Muttersprache
verstehe.
Weit entfernt, wie Sie lesen werden, George nachahmen zu wollen, ist
mir doch seine Nachdichtung von allen mir bekannten die herausragende,
treuste und so die größte Herausforderung. Dennoch erscheint
meinem Geschmack Georges Stil etwas zu sperrig und geziert. Und
ich wollte Shakespeares liedhaft beschwörendes Sprechen fließender
und treibender ins Deutsche bringen.
Auch ist mir Georges Haltung oft zu ernst, zu bitter, zu verächtlich,
was natürlich auch in den Nachdichtungen durchtönt. Shakespeare, dem das
Leben eine große Bühne ist, erscheint mir vielmehr selbstironisch,
melancholisch, im Pathos spielerisch, närrisch-weise; eine Welthaltung,
die mir näher ist und wohl eher im Ton meiner Nachdichtungen klingt.
Ich hoffe, in dem unmöglichen Versuch, die Sonette zu übersetzen,
Shakespeare etwas näher zu kommen, als bisher geschehen.
Jan Weinert, im Mai 2005
|
 |
 |
 |
 |
Die Shakespeare-Sonette sind im Frühjahr 2009 im
Erata-Verlag Leipzig erschienen.
|
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
Zur illustrierten deutsch-englischen Erstausgabe:
Auf den halbierten Büttenbögen 41 x 108 cm stehen die Doppelgrafiken zwischen den
handgesetzten Sonetten: Links das englische Original, rechts die
Weinertsche Nachdichtung.
Mehr unter: www.shakespeare-gesellschaft.de
|
 |
 |
 |
Im Frühsommer 2005 bereichert sich das Maler-Dichter-Duo um den Musiker:
Philipp Riedel (*1975), Komponist und Intepret, konzentriert sich in seinem
Werkschaffen auf die Vertonung von Gedichten und feiert mit seinen Liederabenden
"Riedel singt Kästner" und "Neues aus Eichendorff" große Erfolge.
Eine Auswahl von Shakespeares Sonetten hat er bereits 2002 vertont. Bisher
hatte er diese ausschließlich in der Originalsprache aufgeführt. Die Nachdichtung
von Jan Weinert, die dem englischen Original sehr klangnah ist, ermöglicht
erstmals auch die musikalische Umsetzung im Deutschen.
Philipp Riedel lebt und arbeitet in Wunsiedel.
Anläßlich einer Austellungseröffnung in Wunsiedel erhält die nun musikalisch
bereicherte Sonettlesung eine weitere Ausschmückung: Die Illustrationen
werden zum Vortrag projeziert. Dazu war es notwendig die laufende Herausgabe
der Sonette (bei Nr. 42) zu unterbrechen und die Illustration der zur
Lesung kommenden Sonette vorzuziehen. Damit ist die Lesung sowohl als
Solo, als Duo, aber auch als Trio buchbar.
|
|
|